Auswandern Paraguay: wie eine Familie aus Bayern eine Rinderfarm mit 92 Hektar kaufte
Stefan und Julia aus Augsburg haben in Paraguay eine Farm mit 92 Hektar gekauft und eine Mutterkuhherde aufgebaut. Stefan lebt schon die meiste Zeit dort, Julia und die neunjährige Marie folgen nach dem Schuljahr im Sommer 2027. Hier ist der ganze Weg: Aufenthalt, Kauf, Herde, Steuern, Schule und Kosten.
Kurz gesagt
- Familie: Stefan (45, Ingenieur), Julia (42, Agrarwissenschaftlerin) und Marie (9) aus Augsburg. Stefan lebt schon auf der Farm, Julia und Marie folgen im Sommer 2027.
- Farm: 92 Hektar im Departamento Paraguarí, zwei Autostunden von Asunción: 64 Hektar Weide, 24 Hektar Wald, Haus und Pferch, gekauft im Februar 2026 für 322.000 $.
- Herde: 40 Brangus-Mutterkühe und ein Bulle. Bis Ende Oktober 2026 kamen 37 Kälber zur Welt, verkauft werden die abgesetzten Kälber.
- Aufenthalt: befristete Karten für alle drei seit November 2025, die Gebühr liegt heute bei 509 $ pro Person. Der Wechsel zum unbefristeten Aufenthalt folgt im August 2027.
- Steuern: Der GmbH-Anteil wurde vor dem Wegzug verkauft, bei der Wegzugsteuer zählt nur der Wertzuwachs der eigenen Farmgesellschaft seit 2026. Abmeldung Ende Juli 2027, in Paraguay 8 bis 10 Prozent nur auf Einkünfte aus dem Land.
- Schule und Pass: Marie beendet die Grundschule in Augsburg und lernt ab September 2027 mit einer deutschen Fernschule. Den paraguayischen Pass beantragen die Eltern um 2031, die deutschen Pässe bleiben.
Ausführlich

Kurz nach sechs am Abend wird das Licht über den Weiden golden, und der rote Feldweg zum Pferch leuchtet, als hätte ihn jemand frisch gestrichen. Es ist August, in Paraguay der letzte Wintermonat: Die Tage sind trocken und warm, die Nächte frisch, und am Rand der Weide blüht der rosa Lapacho so dicht, dass man die Äste kaum noch sieht. Stefan lehnt am Holzzaun und zählt die schwarzen Kühe, die über die Weide zur Tränke ziehen. Julia steht neben ihm, Marie hat beide Hände auf die oberste Latte gelegt. Sie ist neun und kennt jede Kuh beim Namen, auch wenn die Kühe davon nichts wissen.
„In Augsburg ist jetzt Hochsommer, und halb Schwaben liegt am Baggersee“, sagt Julia und lacht. „Hier ist Winter, wir haben 25 Grad, und die Kühe bekommen ihre Kälber. Marie findet, das ist die bessere Jahreszeit.“
Stefan ist 45 und Maschinenbauingenieur. Julia ist 42, auf einem Milchviehhof im Allgäu aufgewachsen und hat Agrarwissenschaften studiert. Bis 2025 sah ihr Leben aus wie das vieler Familien in Augsburg: eine Eigentumswohnung, zwei Berufe, die Grundschule um die Ecke, am Wochenende die Großeltern. Heute gehört der Familie eine Farm mit 92 Hektar Weide und Wald im Hügelland des Departamento Paraguarí, zwei Autostunden südöstlich der Hauptstadt Asunción, mit einer Mutterkuhherde und einem paraguayischen Vorarbeiter. Stefan verbringt schon den größten Teil des Jahres dort. Julia und Marie leben noch in Augsburg: Marie geht in die vierte Klasse, und dieses Schuljahr bringt die Familie in Ruhe zu Ende. Ende Juli 2027 meldet sich die Familie in Deutschland ab, ab September lernt Marie mit einer deutschen Fernschule, von der Veranda der Farm aus.
Murblz begleitet die Familie auf dem ganzen Weg: Aufenthaltsgenehmigungen für alle drei, Konten in Paraguay, die Prüfung und den Kauf der Farm, eine Firma für das Rindergeschäft und den Plan für den Ausstieg aus der deutschen Steuerpflicht. Stefan und Julia haben zugestimmt, ihre Geschichte mitten im Umzug zu erzählen, damit andere Familien den ganzen Weg sehen, mit echten Zahlen, von der ersten Idee bis zum ersten Kalb.
Warum Paraguay und warum gerade jetzt
Die Idee kam im Sommer 2024, an einem Abend auf dem Balkon. Stefan hatte gelesen, dass Deutsche seit dem 27. Juni 2024 eine zweite Staatsangehörigkeit annehmen können, ohne die deutsche zu verlieren. „Bis dahin war ein zweiter Pass für uns ein Gedankenspiel“, sagt er. „Ab diesem Tag war es ein Plan.“
Ein Plan B, wie die beiden ihn nennen. Kein Bruch mit Deutschland, keine Flucht, eher eine Versicherung: ein zweites Zuhause, eine zweite Staatsangehörigkeit und Land, das ihnen gehört. „Meine Eltern haben ihr Leben lang einen Hof bewirtschaftet“, sagt Julia. „Ich wollte immer wieder Tiere und Weite um mich haben. In Bayern hätten wir für unser Erspartes ein paar Hektar Acker bekommen. Hier sind es 92.“
Sie verglichen Uruguay, Argentinien und Paraguay. Paraguay gewann aus vier Gründen:
- Der Aufenthalt. Für die befristete Aufenthaltsgenehmigung verlangt Paraguay keinen Einkommensnachweis: Neben Pass, Urkunden und Führungszeugnis mit Apostille genügt eine Erklärung über die geplante Tätigkeit und die Adresse im Land. Nach bis zu zwei Jahren folgt der unbefristete Aufenthalt, drei Jahre danach können Ausländer die Einbürgerung beantragen, wenn sie in dieser Zeit tatsächlich im Land gelebt haben.
- Die Steuern. Paraguay besteuert nur Einkünfte aus Paraguay, mit 8 bis 10 Prozent. Einkünfte aus dem Ausland bleiben steuerfrei.
- Das Land. Ausländer kaufen Grund und Boden zu denselben Bedingungen wie Paraguayer, und ein Hektar Weide kostet einen Bruchteil dessen, was ein Hektar in Bayern kostet.
- Die Deutschen. Deutsche Siedler kamen schon im 19. Jahrhundert, und in den Kolonien im Süden, etwa in Hohenau und Obligado, wird bis heute Deutsch gesprochen. Nach offiziellen Angaben erhielten 2025 1.652 Deutsche eine Aufenthaltsgenehmigung in Paraguay, mehr kamen nur aus Brasilien und Argentinien.
Einen Vergleich von Paraguay und Uruguay finden Sie in unserem Beitrag Paraguay oder Uruguay.
Die Erkundungsreise in den Osterferien 2025
In den Osterferien 2025 flogen sie zum ersten Mal nach Asunción, zu dritt, mit einem Umstieg und einer langen Liste. Der April ist in Paraguay Herbst: tagsüber um die 28 Grad, abends mild, die große Hitze ist vorbei. In zehn Tagen fuhren sie gut tausend Kilometer, in den Süden nach Itapúa, wo die alten deutschen Kolonien liegen, und zurück durch das Hügelland von Paraguarí.
Itapúa ist das deutscheste Departamento des Landes. Nach offiziellen Angaben lebt dort jeder fünfte in Deutschland geborene Einwohner Paraguays, es gibt deutsche Bäckereien und Vereine. Gefallen hat es der Familie sehr, gekauft hat sie woanders. „Rund um die Kolonien wächst Soja, das Land ist Ackerland und entsprechend teuer“, sagt Stefan. „Für Rinder und für unser Budget passte Paraguarí besser. Und von dort sind es zwei Stunden zum Flughafen statt mehr als fünf.“ Für Julia und Marie, die bis zum Sommer 2027 zwischen zwei Kontinenten pendeln, war das das wichtigste Argument.
Paraguarí ist grün und hügelig, mit Bächen, kleinen Seen und Wald an den Hängen. Auf den Weiden stehen Rinder, die Höfe sind viel kleiner als die riesigen Estancias im Westen des Landes, und Farmen mit 50 bis 300 Hektar kommen regelmäßig auf den Markt. Drei davon sahen sich Stefan und Julia auf der ersten Reise an. Gekauft haben sie keine, aber nach dieser Reise wussten sie genau, was sie wollten.
Aufenthalt: drei befristete Karten statt des Investorenwegs
Den Aufenthalt beantragten sie in den Sommerferien 2025, wieder zu dritt. In Paraguay stellt jeder den Antrag persönlich bei der Migrationsbehörde in Asunción, auch ein Kind, für das beide Eltern unterschreiben. Die Unterlagen hatte die Familie in Augsburg vorbereitet: Geburts- und Heiratsurkunde mit Apostille und Führungszeugnisse für Stefan und Julia. In Asunción ließen sie alles von einer beeidigten Übersetzerin ins Spanische übertragen und holten die Bescheinigungen von Interpol und der Nationalpolizei. Nach dem Antrag stellte die Behörde allen dreien eine vorläufige Karte aus, die bis zur Entscheidung gilt, im November 2025 lagen die befristeten Aufenthaltsgenehmigungen vor. Sie gelten zwei Jahre.
An Gebühren kostet der befristete Aufenthalt heute 509 $ (2.926.925 Guaraní) pro Person, für die Familie also gut 1.500 $. Es gibt einen schnelleren Weg: Investoren bekommen in Paraguay sofort den unbefristeten Aufenthalt. Für die Familie passte er aus drei Gründen nicht. Als sie den Antrag stellten, gehörte ihnen in Paraguay noch kein Quadratmeter. Für eine Investition in ein Unternehmen verlangt das Industrie- und Handelsministerium mindestens 70.000 $ pro Antragsteller, einen genehmigten Geschäftsplan und mindestens fünf feste Arbeitsplätze. Und die Ausnahme nennt das Gesetz nur für den Investor selbst, Ehepartner und Kinder erwähnt es nicht. „Eine Mutterkuhherde auf 92 Hektar braucht einen guten Vorarbeiter, keine fünf Angestellten“, sagt Stefan. „Wir wollten nichts erfinden.“
Der Wechsel zum unbefristeten Aufenthalt steht im August 2027 an, kurz nach dem Umzug und in den letzten drei Monaten der befristeten Karten. Seit dem 6. Juli 2026 verlangt die Migrationsbehörde dafür einen Nachweis der Zahlungsfähigkeit nach einer von zwölf Kategorien, darunter Landwirte und Viehzüchter sowie Angehörige. Stefan belegt sein Einkommen über die Farm: Die Rinderverkäufe laufen über die eigene Firma in Paraguay, die seit 2026 Buch führt und Steuererklärungen abgibt. Julia weist beim Wechsel statt eines Einkommens die Ehe nach, für Marie genügt ein Elternteil mit unbefristetem Aufenthalt. Bis dahin gilt eine Regel, die viele unterschätzen: Wer mit befristetem Aufenthalt länger als ein Jahr am Stück im Ausland ist, dem kann die Migrationsbehörde den Status entziehen. Die Ferien auf der Farm halten die Karten von Julia und Marie deshalb ganz nebenbei gültig.
Wie der befristete Weg im Einzelnen abläuft, steht auf unserer Seite Aufenthaltsgenehmigung Paraguay, den Weg über eine Investition beschreibt die Seite Daueraufenthalt in Paraguay.
92 Hektar: wie sie die Farm fanden
Im Oktober 2025 flog Stefan allein nach Paraguay und blieb fünf Wochen. Mit einem Fachmann aus dem Partnernetz von Murblz sah er sich elf Farmen zwischen 60 und 180 Hektar an, die meisten im Departamento Paraguarí. Die Liste der Kriterien hatte Julia geschrieben, und sie war kurz:
- Wasser das ganze Jahr: ein Bach, der auch im trockenen Winter fließt, und ein Wasserloch für die Tiere.
- Ein Weg, der auch nach Regen befahrbar ist. Die rote Erde wird bei Regen zu Schmierseife.
- Zäune und ein Pferch in einem Zustand, der sich reparieren lässt.
- Ein Haus mit Stromanschluss, einfach, aber bewohnbar.
- Ein sauberer Titel ohne Pfändung, Hypothek oder Streit um die Grenzen.
- Genug Wald. Auf Landgütern über 20 Hektar muss nach dem paraguayischen Forstgesetz ein Viertel der Fläche Naturwald bleiben; wo er fehlt, muss der Eigentümer fünf Prozent der Fläche aufforsten. Im Osten des Landes darf außerdem seit 2004 kein Wald mehr zu Weide oder Acker werden, das geltende Gesetz läuft bis Dezember 2030. Wer hier eine Farm kauft, kauft die Weiden also so, wie sie sind.
Die elfte Farm war die richtige: 92 Hektar an einem Bach, der aus den Hügeln kommt. 64 Hektar sind Weide, gut die Hälfte davon mit Brachiaria-Gras eingesät, 24 Hektar Wald ziehen sich am Bach entlang und den Hang hinauf, auf vier Hektar stehen das Wohnhaus, ein kleineres Haus für den Vorarbeiter, Pferch, Schuppen und ein paar Orangenbäume. Das Wohnhaus stammt aus den Neunzigerjahren und hat dicke weiße Wände, ein Ziegeldach und eine breite Veranda. Der Vorbesitzer, ein Viehzüchter Mitte siebzig, wollte zu seinen Kindern in die Stadt ziehen. „Er hat uns jede Ecke gezeigt, auch die schlechten“, sagt Stefan. „Wo der Zaun schief steht, wo der Bach im Sommer über die Ufer tritt. Da wussten wir, dass wir hier richtig sind.“
In Bayern wäre das ein großer Hof, in Paraguay ist es eine kleine Estancia. Der Preis lag bei 3.500 $ pro Hektar, zusammen 322.000 $ (rund 1,9 Milliarden Guaraní) für Land, Haus und Zäune. Für die Gegend ist das ein üblicher Preis: Im Süden von Paraguarí werden Weidefarmen ab etwa 2.500 $ je Hektar angeboten, mit gutem Wohnhaus, eingesäter Weide und einem Bach, der das ganze Jahr Wasser führt, kosten sie mehr. Näher an der Hauptstadt, in der Cordillera, beginnen die Preise bei rund 6.700 $ je Hektar.
Der Kauf beim Notar in Asunción
Im Januar 2026 unterschrieb Stefan den Vorvertrag und zahlte zehn Prozent an. Bis zum Notartermin prüften die Notarin und die Partner von Murblz alles, was später teuer werden kann: den Titel auf Pfändungen und Hypotheken, Grenzen und Fläche, beides seit Januar 2026 in einem einzigen Register beim Obersten Gerichtshof, die Bescheinigung der Gemeinde über die bezahlte Grundsteuer und ob alle unterschreiben, die unterschreiben müssen. In diesem Fall war das auch die Ehefrau des Verkäufers.
Der Termin fiel in die Faschingsferien 2026. Marie blieb bei den Großeltern im Allgäu, Julia flog allein nach Asunción. Stefan war seit dem Vorvertrag ohnehin im Land. Im Februar ist dort Hochsommer, im Büro der Notarin drehte sich der Deckenventilator, vor dem Fenster standen Mangobäume. Die Kaufurkunde ist auf Spanisch, eine beeidigte Dolmetscherin übersetzte jeden Absatz.

Den Restbetrag überwies die Familie von ihrem eigenen Konto bei einer paraguayischen Bank, das Murblz schon 2025 eröffnet hatte. Für eine so große Summe wollte die Bank genau wissen, woher das Geld kommt. „Der Vertrag über Stefans Firmenanteil hat jede Frage beantwortet“, sagt Julia. Ende 2025 hatte Stefan seinen Anteil von 25 Prozent an der Ingenieur-GmbH an seine beiden Partner verkauft, aus diesem Erlös stammt der größte Teil des Kaufpreises. Wie man größere Beträge sauber überweist, beschreibt unser Beitrag Geld nach Paraguay überweisen.
Nach der Unterschrift reichte die Notarin die Urkunde beim Register ein, im April 2026 war die Familie als Eigentümerin eingetragen. Notarin, Register und Gebühren kosteten zusammen rund 9.700 $, etwa drei Prozent des Kaufpreises. Grundsteuer zahlt die Familie jedes Jahr an die Gemeinde: ein Prozent des amtlichen Katasterwerts, der weit unter dem Kaufpreis liegt. Unberührter Naturwald kann im Osten des Landes sogar ganz von der Grundsteuer befreit werden, und der Wald am Bach bleibt ohnehin, wie er ist.
Eine Farm in Paraguay wird vor der Anzahlung geprüft
Teurer als der Notar sind Fehler: ein Titel mit Pfändung oder Hypothek im öffentlichen Register, Grenzen, die nicht zum Kataster passen, zu wenig Wald für die gesetzliche Reserve, Grundsteuerschulden des Verkäufers oder eine Herde ohne Registrierung. Die Begleitung von Murblz nimmt Ihnen diese Risiken ab: Wir prüfen die Farm vor der Anzahlung, führen den Kauf vom Vorvertrag bis zur Eintragung, gründen die Firma, eröffnen die Konten und beantragen den Aufenthalt für die ganze Familie, mit lokal lizenzierten Partnern. Wir garantieren professionelle Arbeit und einen transparenten Ablauf und in den meisten Fällen ein Ergebnis beim ersten Einreichen.
Die Herde: 40 Mutterkühe und ein Bulle
Bevor die ersten Tiere kamen, war Stefan zwei Monate lang vor allem Handwerker. Mit Ramón, dem neuen Vorarbeiter, und zwei Helfern aus dem Dorf setzte er neue Pfosten, spannte den Draht nach, baute den Treibgang am Pferch neu und stellte eine Solarpumpe an den Bach, die eine Tränke auf der oberen Weide füllt. Im April 2026 kamen die Rinder: 40 tragende Brangus-Kühe, vom Tierarzt untersucht und auf einer Viehauktion in der Region gekauft, dazu ein Brangus-Bulle für die nächste Decksaison. Eine tragende Kuh kostete 1.300 $ (7.450.000 Guaraní), der Bulle 3.400 $ (19.500.000 Guaraní). Mutterkühe sind in Paraguay derzeit teuer: Viele Züchter behalten ihre Kühe, um mehr Kälber aufzuziehen, und wer Muttertiere kaufen will, zahlt mehr als für Schlachtvieh.
Ramón ist 58 und hat sein ganzes Leben auf Estancias gearbeitet. Er wohnt mit seiner Frau im zweiten, kleineren Haus der Farm, kennt jeden Nachbarn und jede Krankheit, die ein Rind bekommen kann. Er ist ordentlich angestellt und bei der Sozialversicherung angemeldet, wie es das Gesetz verlangt. Ramón verdient 790 $ (4.500.000 Guaraní) im Monat, deutlich mehr als den gesetzlichen Mindestlohn von 529 $ (3.044.000 Guaraní), und wohnt mietfrei. Auf den Lohn zahlt der Betrieb 16,5 Prozent Sozialversicherung, Ramón selbst neun Prozent, und im Dezember gibt es wie überall in Paraguay ein dreizehntes Monatsgehalt. „Ohne Ramón hätten wir die ersten Monate nicht geschafft“, sagt Stefan. „Ich bringe die Technik mit, er bringt das Wissen.“
Auch auf der Weide gibt es Papierkram. Die Farm hat eine Registernummer bei der Tierseuchenbehörde Senacsa, das Brandzeichen der Firma ist beim Obersten Gerichtshof eingetragen, der in Paraguay die Viehmarken führt. Ohne eingetragene Marke gibt es keine Transportpapiere, und kein Rind verlässt eine Weide ohne Begleitschein: Für den Transport von der Auktion stellte Senacsa ein Zertifikat aus, das 15 Tage gilt. Geimpft wird zweimal im Jahr, im Februar und März die ganze Herde gegen Maul- und Klauenseuche, im Mai und Juni noch einmal die Kälber; Paraguay gilt als frei von der Seuche mit Impfung. Die Spritzen setzt die Tiergesundheitskommission des Bezirks, bezahlt werden sie vom Halter. Weibliche Kälber bekommen mit drei bis acht Monaten zusätzlich die Impfung gegen Brucellose, und seit 2025 bekommt jedes Kalb eine amtliche Ohrmarke und einen Eintrag im nationalen Tierregister.
In den Pfingstferien 2026 kamen Julia und Marie zum ersten Mal gemeinsam auf die eigene Farm. Ende Mai ist in Paraguay Spätherbst: Die Morgen sind kühl, über den Weiden liegt Nebel, der sich erst gegen zehn auflöst. An einem dieser Morgen trieben sie die Herde auf die Weide am Bach, Ramón vorneweg, Marie mit Reithelm auf dem grauen Pony, das Ramón für sie ausgewählt hatte, Stefan dahinter. „Am dritten Tag ist sie vor dem Frühstück aufgestanden, ohne dass jemand sie geweckt hat“, sagt Julia. „In Augsburg kriege ich sie um sieben kaum aus dem Bett.“

Die ersten Kälber
Die Kühe waren beim Kauf drei bis fünf Monate tragend, und die Rechnung ging auf. Das erste Kalb kam am 9. August 2026, eine Woche nachdem Julia und Marie zu den Sommerferien gelandet waren. Marie sah es vom Zaun aus, in der Abendsonne, keine zwanzig Meter entfernt, und nannte es Lapacho, nach dem Baum, unter dem es lag. Bis Ende Oktober kamen 37 Kälber zur Welt, 19 Bullenkälber und 18 Kuhkälber. Zwei Kühe haben ihr Kalb verloren, eine kalbt noch.
Die Kühe kalben draußen auf der Weide, ohne Stall und fast immer ohne Hilfe. Ramón reitet morgens und abends die Weiden ab, zählt die Kälber, desinfiziert den Nabel der Neugeborenen und markiert sie. Marie ritt in diesen Wochen fast jeden Abend mit. In ein Heft schrieb sie jedes Kalb: Datum, Mutter, Bulle oder Kuh und einen Namen. Ab Kalb Nummer zwanzig gingen ihr die Namen aus, seitdem heißen die Kälber nach Fußballspielern.

Der August ist in Paraguarí trocken. Auf der natürlichen Weide wird das Gras gelb, nur die eingesäte Brachiaria am Bach und rund um das Haus bleibt länger grün, und die Kühe bekommen Salz mit Mineralstoffen dazu. Kalt wird es selten, aber in manchen Nächten fällt das Thermometer auf wenige Grad über null. Anfang Juli lag an einem Morgen sogar Raureif auf den Weiden: In Paraguarí gibt es Frost meist zwischen Ende Mai und Ende Juli. Weil die tropischen Gräser im Winter kaum wachsen, hat Ramón die obere Weide schon ab April geschont, als Reserve für Juli und August. Mit den ersten Gewittern im Oktober ist alles innerhalb weniger Wochen wieder grün. Am meisten regnet es von Oktober bis April, am trockensten sind Juni bis August.
Wie die Farm Geld verdient
Das Geschäft ist so alt wie die Viehzucht selbst: Jede Mutterkuh bringt einmal im Jahr ein Kalb, die Kälber bleiben sechs bis sieben Monate bei der Mutter und werden nach dem Absetzen an Mastbetriebe verkauft, auf einer Auktion in der Region oder direkt ab Hof. Gehandelt wird nach Lebendgewicht. Im September 2026 brachte ein abgesetztes Bullenkalb von 170 Kilo auf den Auktionen rund 710 $ (4,1 Millionen Guaraní), ein Kuhkalb von 160 Kilo rund 620 $ (3,6 Millionen Guaraní). Für ein Kilo Kalb zahlen die Mäster deutlich mehr als die Schlachthöfe für ein Kilo ausgewachsene Kuh. Die ersten Absetzer der Farm gehen im März und April 2027 in den Verkauf, die besten Kuhkälber behält die Familie für die eigene Herde.
Reich wird man mit 92 Hektar nicht, und das war auch nie der Plan. Im ersten vollen Jahr rechnet Stefan mit rund 18 verkauften Bullenkälbern, acht Kuhkälbern und vier älteren Kühen für den Schlachthof. Zu den Preisen vom September 2026 sind das rund 23.000 $ (130 Millionen Guaraní). Ramóns Lohn, Tierarzt, Impfstoffe, Salz, Zäune und Buchhaltung kosten im Jahr rund 19.000 $, vor Steuern bleiben also rund 4.000 $. Bis 2028 will Stefan weitere 15 Hektar der natürlichen Weide mit Brachiaria einsäen, danach soll die Herde mit den eigenen Kuhkälbern auf rund 55 Mutterkühe wachsen. „Die Farm soll sich selbst tragen und ein bisschen mehr“, sagt er. „Leben werden wir in den ersten Jahren vor allem vom Erlös aus meinem Firmenanteil. Aber jede Kuh, die hier steht, ist ein Stück Sicherheit, das uns gehört.“
Das Land gehört Stefan und Julia, die Herde und das Geschäft gehören einer paraguayischen Gesellschaft, die Murblz im März 2026 für die beiden gegründet hat. Sie hat eine eigene Steuernummer und ein Geschäftskonto, kauft Impfstoff und Salz, zahlt Ramóns Lohn und verkauft die Kälber. Auf ihren Gewinn zahlt sie zehn Prozent Steuer, beim Verkauf lebender Rinder fallen nur fünf Prozent Mehrwertsteuer an statt der üblichen zehn. Lassen sich Stefan und Julia Gewinne ausschütten, kommen acht Prozent dazu, solange sie in Paraguay steuerlich ansässig sind, sonst 15 Prozent. Die Belege für die Buchhaltung sammelt Julia, auch aus Augsburg. Wie die Gründung abläuft, steht auf der Seite Firmengründung in Paraguay, das Firmenkonto auf der Seite Geschäftskonto in Paraguay.
Steuern: der saubere Ausstieg aus Deutschland
Am meisten Respekt hatte Stefan nicht vor der Farm, sondern vor dem Finanzamt. „Das Steuerrecht in Paraguay ist übersichtlich“, sagt er. „Die eigentliche Arbeit liegt auf der deutschen Seite: Man muss sauber aussteigen.“ Den Plan dafür haben die Fachleute von Murblz aufgestellt. Er beruht auf drei Regeln.
Erstens: Die Steuerpflicht endet mit der Wohnung, nicht mit dem Stempel im Bürgerbüro. In Deutschland ist unbeschränkt steuerpflichtig, wer hier einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, und zwar mit dem gesamten Welteinkommen. Als Wohnsitz zählt eine Wohnung, die man behält und nutzt, eine Mindestzahl von Tagen gibt es nicht. Ein Ehepartner, der nicht dauernd getrennt lebt, hat seinen Wohnsitz grundsätzlich dort, wo seine Familie wohnt. Solange Julia und Marie in Augsburg leben, bleibt deshalb auch Stefan in Deutschland voll steuerpflichtig, so viele Monate er auch auf der Farm verbringt. Die Familie steigt gemeinsam aus: Die Wohnung ist seit September 2026 verkauft, die Käufer bekommen die Schlüssel Ende Juli 2027, und in derselben Woche melden sich alle drei ab. Den Gewinn aus dem Verkauf müssen sie nicht versteuern, weil sie die Wohnung bis zum Auszug selbst bewohnen. Auch an die Großeltern haben sie gedacht: Ein eigenes Zimmer mit eigenem Schlüssel, das jederzeit bereitsteht, ist schon ein Wohnsitz. Im Allgäu übernachten sie künftig als Gäste.
Zweitens: Firmenanteile vor dem Wegzug ordnen. Wer in den letzten zwölf Jahren mindestens sieben Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig war und mindestens ein Prozent an einer GmbH oder AG hält, zahlt beim Wegzug die Wegzugsteuer. Das Finanzamt behandelt die Anteile, als wären sie verkauft worden, und besteuert einen Gewinn, der nie auf einem Konto angekommen ist. Seit 2022 gilt das für jedes Zielland. Stefan hat seinen Anteil noch als Steuerinländer an die Partner verkauft. Den echten Gewinn versteuert er ganz normal in Deutschland, zu 60 Prozent nach dem Teileinkünfteverfahren, und das Geld für die Steuer liegt auf dem Konto. Anteile an einer deutschen GmbH hält er beim Wegzug nicht mehr. Die Wegzugsteuer erfasst aber auch die eigene paraguayische Farmgesellschaft: Für ihre Anteile gilt der Wegzug als Verkauf zum Marktwert. Besteuert wird nur der Wertzuwachs seit der Gründung im März 2026, davon 60 Prozent, und diesen Betrag haben die Fachleute von Murblz schon eingeplant.
Drittens: Nach dem Wegzug nichts Großes in Deutschland zurücklassen. Für Deutsche, die in ein Land mit niedrigen Steuern ziehen, gilt nach dem Wegzug zehn Jahre lang die erweiterte beschränkte Steuerpflicht, wenn sie in Deutschland wesentliche wirtschaftliche Interessen behalten: zum Beispiel mindestens ein Prozent an einer deutschen GmbH, deutsche Einkünfte von mehr als 70.000 $ (62.000 €) im Jahr oder mehr als 30 Prozent aller Einkünfte, oder Vermögen mit deutschen Erträgen, etwa auf einem deutschen Konto, von mehr als 180.000 $ (154.000 €) oder mehr als 30 Prozent des gesamten Vermögens. Besteuert wird dann nur in Jahren, in denen die deutschen Einkünfte 19.000 $ (16.500 €) übersteigen. Mit einem Höchstsatz der Einkommensteuer von zehn Prozent zählt Paraguay zu diesen Ländern. Weil Firmenanteil und Wohnung verkauft sind und das Geld aus beiden Verkäufen nach dem Wegzug nicht auf deutschen Konten liegt, greift die Regel für die Familie nicht. Bei Erbschaften und Schenkungen bleiben deutsche Staatsbürger nach dem Wegzug noch fünf Jahre voll steuerpflichtig, mit dem gesamten Vermögen, auch mit der Farm in Paraguay. Es gelten dieselben Freibeträge wie im Inland, für ein Kind 450.000 $ (400.000 €).
Dazu kommen Kindergeld, Krankenversicherung und Rente. Das Kindergeld, 2026 sind es 290 $ (259 €) im Monat, endet mit dem Monat des Wegzugs, die Familienkasse muss man selbst und sofort informieren. Mit dem Wegzug endet auch die gesetzliche Krankenversicherung, für Marie die Familienversicherung. Ein Sozialversicherungsabkommen mit Paraguay gibt es nicht, die deutsche Kasse zahlt dort praktisch nichts. Stefan ist deshalb schon jetzt auf der Farm privat versichert, ab dem Umzug folgen eine private Krankenversicherung für alle drei und eine Anwartschaftsversicherung: Für rund 96 $ (85 €) im Monat pro Person hält sie den Weg zurück in die gesetzliche Kasse offen. In die deutsche Rentenversicherung können Stefan und Julia auch aus Paraguay freiwillig einzahlen, 2026 ab 130 $ (112,16 €) im Monat, ab 2027 etwas mehr. Was bei Abmeldung, Krankenversicherung und Rente sonst zu beachten ist, fasst unsere Checkliste für das Auswandern aus Deutschland zusammen.
Auf der paraguayischen Seite ist es einfacher. Wer in Paraguay lebt, zahlt 8 bis 10 Prozent nur auf Einkünfte aus Paraguay, Einkünfte aus dem Ausland bleiben steuerfrei. Ein umfassendes Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung gibt es zwischen Deutschland und Paraguay nicht, nur eine Regelung für Luftfahrtunternehmen. Die Bescheinigung über die steuerliche Ansässigkeit stellt die paraguayische Steuerbehörde auf Antrag aus. Stefan legt dafür seinen paraguayischen Personalausweis und den Nachweis der Migrationsbehörde über seine Ein- und Ausreisen im jeweiligen Jahr vor. Die Bescheinigung verlangen Banken, und mit ihr kosten Ausschüttungen der Farmgesellschaft acht statt 15 Prozent. Für das deutsche Finanzamt zählt dagegen allein, ob die Familie in Deutschland noch einen Wohnsitz hat. Mehr dazu auf unserer Seite Steuern in Paraguay.
Der Fahrplan der Familie sieht so aus:
| Wann | Schritt |
|---|---|
| Ende 2025 | Stefan verkauft seinen GmbH-Anteil an die Partner, der Gewinn wird in Deutschland versteuert |
| September 2026 | Notarvertrag für die Augsburger Wohnung, Übergabe an die Käufer nach dem Schuljahr |
| Juni 2027 | Krankenkasse informieren, Anwartschaftsversicherung und private Krankenversicherung für alle drei ab dem Tag der Ausreise abschließen |
| Ende Juli 2027 | Letzter Schultag, Übergabe der Wohnung, Abmeldung aller drei beim Bürgerbüro Augsburg, kostenlos und auch online, Meldung an die Familienkasse |
| August 2027 | Antrag auf unbefristeten Aufenthalt in Paraguay |
| Ende 2027 | Antrag auf die Bescheinigung der steuerlichen Ansässigkeit in Paraguay, mit dem Nachweis der Ein- und Ausreisen |
| Bis 31. Juli 2028 | Letzte deutsche Steuererklärung für 2027. Einkünfte aus Paraguay nach dem Wegzug werden in Deutschland nicht besteuert, erhöhen aber den Steuersatz auf das deutsche Einkommen dieses Jahres |
Für die Post vom Finanzamt nach dem Wegzug hat die Familie Julias Bruder in Kempten als Empfangsbevollmächtigten benannt. „Die meisten Fehler passieren nicht beim großen Plan, sondern bei den kleinen Briefen“, sagt Julia.
Schule: erst die Grundschule, dann die Fernschule
Die Frage, die Julia am längsten beschäftigt hat, war nicht die Farm, sondern Marie. In Bayern ist schulpflichtig, wer dort seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, und Schulpflicht heißt in Deutschland Schulbesuch: Unterricht zu Hause ist nicht erlaubt, auch nicht mit dem Material einer Fernschule. Diesen Weg gibt es erst, wenn das Kind mit seiner Familie im Ausland lebt. Die Abmeldung im Bürgerbüro allein genügt dafür nicht, entscheidend ist, wo die Familie tatsächlich ihren Lebensmittelpunkt hat. Solange Marie mit Julia in Augsburg wohnt, geht sie in die Grundschule. Ein Wechsel mitten im Schuljahr kam ohnehin nicht in Frage. „Marie hat in Augsburg ihre Freundinnen und ihre Lehrerin, und die vierte Klasse ist ein wichtiges Jahr“, sagt Julia. Im Mai 2027 bekommt Marie wie alle bayerischen Viertklässler ihr Übertrittszeugnis. Gebraucht wird es vorerst nicht, aufgehoben wird es trotzdem: Falls die Familie eines Tages zurückkommt, belegt es Maries Leistungen am Ende der Grundschule.
Ab September 2027 lernt Marie mit einer staatlich zugelassenen deutschen Fernschule für Kinder im Ausland. Die deutsche Auslandsschule des Landes liegt in Asunción, zwei Autostunden von der Farm entfernt und damit zu weit für jeden Tag. Staatlich zugelassen heißt: Eine staatliche Stelle hat den Lehrgang geprüft, eine staatliche Schule ist die Fernschule aber nicht. Zu Beginn des Schuljahres kommt ein Paket mit Lehrheften und Büchern, Marie arbeitet nach einem Plan Lektion für Lektion und schickt zu jedem Fach Einsendeaufgaben online ein, die Lehrkräfte der Fernschule korrigieren und benoten. Feste Unterrichtszeiten gibt es nicht, ein Schultag dauert vier bis fünf Stunden. Julia begleitet den Unterricht, eine pädagogische Ausbildung braucht sie dafür nicht. Das Schuljahr kostet je nach Anbieter ab rund 4.700 $ (4.200 €), Lehrhefte, Versand und Korrekturen inklusive. Am Ende steht ein Zeugnis der Fernschule, aber kein staatliches: Kehrt Marie eines Tages nach Bayern zurück, entscheidet die aufnehmende Schule über die Klasse, am Gymnasium nach Aufnahmeprüfung und Probezeit.
Ausprobiert haben sie das schon. In den Sommerferien 2026 setzten sich Julia und Marie jeden Vormittag zwei Stunden mit Material der Fernschule auf die Veranda, Mathematik und Deutsch, danach ging es zu den Kälbern. Das Internet kommt über eine Satellitenschüssel auf dem Dach und reicht für Videoanrufe und Lernplattformen. Spanisch lernt Marie seit 2025 zweimal pro Woche online bei einer Lehrerin aus Asunción, und Ramón bringt ihr die ersten Wörter Guaraní bei, die zweite Amtssprache Paraguays.

Ferien auf der anderen Seite der Jahreszeiten
Bis zum Umzug lebt die Familie nach zwei Kalendern, dem bayerischen Ferienkalender und den Jahreszeiten der Südhalbkugel. Das ergibt eine eigene Logik. Die Pfingstferien fallen in den paraguayischen Spätherbst mit Nebel am Morgen, die Sommerferien in den trockenen Spätwinter mit der Lapachoblüte. Weihnachten 2026 feiert die Familie zum ersten Mal auf der Farm, im Hochsommer bei weit über 30 Grad. Marie hat schon beschlossen, dass der Weihnachtsbaum in diesem Jahr eine Palme ist.
Die Reise dauert von Haustür zu Haustür rund einen Tag: mit dem Zug zum Münchner Flughafen, ein Umstieg in Europa oder in Brasilien, dann zwei Stunden Fahrt von Asunción zur Farm. Für Marie lohnen sich deshalb nur die langen Ferien: Ostern, Pfingsten, der Sommer und Weihnachten. Die Ferien zu Allerheiligen und im Fasching dauern nur eine Woche, zu kurz für einen Tag Reise in jede Richtung. Gebucht wird streng nach dem Ferienplan, denn einen Tag früher in die Ferien zu starten, erlaubt die Schule in Bayern nur in begründeten Ausnahmefällen, und wer sein Kind ohne Erlaubnis fehlen lässt, riskiert ein Bußgeld. In den Ferien kostet ein Flug hin und zurück ab rund 1.200 $ (1.000 €) pro Person. Und weil Marie seit November 2025 eine befristete Aufenthaltsgenehmigung für Paraguay hat, braucht sie bei jeder Ausreise ohne den Vater dessen Zustimmung: Stefan unterschreibt die Reiseerlaubnis vor jeder Abreise beim Friedensgericht im Nachbarort, eine Gebühr fällt dafür nicht an.
Dazwischen hält ein Videoanruf die Familie zusammen, jeden Tag zur selben Zeit. Paraguay bleibt seit Oktober 2024 das ganze Jahr bei derselben Uhrzeit, drei Stunden hinter der Weltzeit. Der Abstand zu Deutschland ändert sich deshalb nur mit der deutschen Zeitumstellung: Im deutschen Sommer sind es fünf Stunden, im Winter vier. Seit dem 25. Oktober klingelt das Tablet in Augsburg um halb sechs, wenn es draußen dunkel wird. Auf der Farm ist es dann halb zwei, früher Nachmittag.

Was der Umzug kostet
Stefan führt über alles eine Tabelle, wie es sich für einen Ingenieur gehört. Die wichtigsten Ausgaben vom ersten Flug im April 2025 bis Ende Oktober 2026:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Flüge: 13 Hin- und Rückflüge München–Asunción seit April 2025 | 16.000 $ (14.000 €) |
| Hotels, Mietwagen und Fahrten im Land 2025 | 6.000 $ (5.300 €) |
| Aufenthalt für drei: Gebühren, Urkunden, Apostillen, Übersetzungen | 2.000 $ |
| Farm: 92 Hektar mit Haus und Zäunen | 322.000 $ |
| Notarin, Register und Gebühren | 9.700 $ |
| Zäune, Treibgang, Solarpumpe und Tränke | 8.000 $ (46.000.000 Guaraní) |
| 40 tragende Brangus-Kühe | 52.000 $ (298.000.000 Guaraní) |
| Brangus-Bulle | 3.400 $ (19.500.000 Guaraní) |
| Zwei Pferde und ein Pony mit Sätteln | 2.500 $ (14.000.000 Guaraní) |
| Renovierung und Möbel | 8.900 $ (51.000.000 Guaraní) |
| Gebrauchter Pick-up | 26.000 $ |
| Zusammen | 456.500 $ |
Und was die Farm und das Leben dort jeden Monat kosten:
| Laufende Kosten | Im Monat |
|---|---|
| Lohn von Ramón mit Sozialversicherung und 13. Gehalt | 980 $ (5.617.500 Guaraní) |
| Tierarzt, Impfstoffe, Mineralsalz und Ohrmarken | 300 $ (1.700.000 Guaraní) |
| Zäune, Reparaturen und Ersatzteile | 170 $ (950.000 Guaraní) |
| Buchhaltung der Firma | 120 $ (690.000 Guaraní) |
| Diesel, Strom und Satelliteninternet | 260 $ (1.480.000 Guaraní) |
| Lebensmittel, Haushalt und Stefans private Krankenversicherung | 410 $ (2.350.000 Guaraní) |
| Zusammen | 2.240 $ |
Dollarbeträge beruhen auf dem offiziellen Kurs für 2026, 1,1177 Dollar je Euro, und dem Kurs von 2026, 5.754,5 Guaraní je Dollar, aufgerundet. Was das Leben in Paraguay sonst kostet, von der Miete bis zum Supermarkt, zeigt unser Beitrag Lebenshaltungskosten in Paraguay.
Der Plan B: unbefristeter Aufenthalt und ein zweiter Pass
Der Plan B, mit dem alles anfing, hat zwei Teile. Der erste ist der unbefristete Aufenthalt, den alle drei im August 2027 beantragen. Der Status hat kein Ablaufdatum, nur die Karte wird alle zehn Jahre erneuert. Wegen Abwesenheit verliert den Status erst, wer ohne triftigen Grund länger als drei Jahre am Stück im Ausland lebt. „Selbst wenn wir eines Tages für eine Weile zurück nach Bayern müssten, bliebe uns die Tür nach Paraguay offen“, sagt Stefan.
Der zweite Teil ist der paraguayische Pass. Einbürgern lassen kann sich, wer mindestens 18 Jahre alt ist, seit drei Jahren mit unbefristetem Aufenthalt tatsächlich im Land lebt, einen Beruf oder eine Tätigkeit ausübt und einen guten Leumund hat. Über den Antrag entscheidet der Oberste Gerichtshof, dazu gehört eine schriftliche Prüfung auf Spanisch: Von 30 Punkten braucht man 21. Die drei Jahre zählen ab dem Bescheid über den unbefristeten Aufenthalt. Kommt er wie geplant um den Jahreswechsel 2027/28, stellen Stefan und Julia den Antrag Anfang 2031. Das Gerichtsverfahren dauert neun Monate bis zwei Jahre, den Pass erwarten sie um 2032.
Wie ernst das Gericht das Wort „tatsächlich“ nimmt, wissen die beiden genau. Wer in den drei Jahren vor dem Antrag länger als drei Monate pro Jahr im Ausland war oder keine echte Adresse in Paraguay hat, wird abgelehnt. Die Besuche bei den Großeltern im Allgäu bleiben deshalb kurz, zwei, drei Wochen im Jahr. Dafür haben die Großeltern versprochen, im deutschen Winter auf die Farm zu kommen, wenn in Paraguay Sommer ist.
Marie kann den Antrag erst stellen, wenn sie 18 ist. Bis dahin hat sie ihren eigenen unbefristeten Aufenthalt, und ob sie mit 18 auch den paraguayischen Pass möchte, entscheidet sie dann selbst.
Ihre deutschen Pässe behalten alle drei. Seit dem 27. Juni 2024 verliert ein Deutscher seine Staatsangehörigkeit nicht mehr, wenn er eine zweite annimmt, und Paraguay verlangt keinen Nachweis, dass man den alten Pass abgegeben hat. Bei der Einbürgerung schwört man der Republik Paraguay die Treue, die deutsche Staatsangehörigkeit berührt das nicht: Ein Verzicht auf sie ist schriftlich gegenüber der deutschen Behörde zu erklären und bedarf ihrer Genehmigung. Wichtig ist eine Regel für die Zeit nach der Einbürgerung: Wer später freiwillig eine weitere, neue Staatsangehörigkeit annimmt oder ohne triftigen Grund länger als drei Jahre im Ausland lebt, riskiert die paraguayische. Die deutsche zählt nicht dazu, sie war schon vorher da.
Den ganzen Weg beschreibt unsere Seite Staatsbürgerschaft Paraguay. Wie die Prüfung abläuft, zeigt der Beitrag Einbürgerungsprüfung in Paraguay, wohin man mit dem paraguayischen Pass ohne Visum reist, der Beitrag Visumfreie Länder mit einem paraguayischen Pass.
Was Stefan und Julia anderen Familien raten
Nach anderthalb Jahren zwischen Augsburg und Paraguay haben die beiden eine eigene Liste, für alle, die einen ähnlichen Weg vorhaben:
- Die Region in zwei Jahreszeiten ansehen. Im April ist die Weide grün, im August gelb und staubig, und ein Weg, der im Winter trocken ist, steht nach einem Sommergewitter unter Wasser. „Wer eine Farm nur einmal gesehen hat, kennt sie nicht“, sagt Julia.
- Erst das Wasser, dann der Preis. Ein Bach, der auch im trockenen August fließt, ist mehr wert als jeder Rabatt. „Ein billiger Hektar ohne Wasser ist der teuerste“, sagt Stefan.
- Firmenanteile vor dem Wegzug ordnen. Wer an einer GmbH oder AG beteiligt ist, klärt mit den Fachleuten von Murblz, was beim Wegzug passiert, bevor der Umzugstermin feststeht, nicht danach.
- Erst die Zäune, dann die Herde. Rinder finden jede Lücke. Die zwei Monate an Zäunen, Pferch und Tränke vor der ersten Kuh waren die beste Investition der Farm.
- Den Vorarbeiter gut bezahlen und anmelden. Ein erfahrener Vorarbeiter ist auf einer kleinen Farm die halbe Miete. Er bekommt mehr als den Mindestlohn und ist bei der Sozialversicherung angemeldet.
- Nach dem Schulkalender planen. Jede Reise mit Marie lag in den bayerischen Ferien, und umgezogen wird erst nach der Grundschule. „Ein Kind soll nicht mitten im Jahr aus der Klasse gerissen werden, nur weil die Eltern es eilig haben“, sagt Julia.
- Früh mit Spanisch anfangen. Stefan und Julia lernen seit 2025, Marie auch. Beim Notar half noch eine Dolmetscherin, auf der Viehauktion und mit den Nachbarn hilft jedes eigene Wort.
Wie Murblz Familien bei der Auswanderung nach Paraguay hilft
Die Fachleute von Murblz und ihre Partner vor Ort haben die Familie bei jedem Schritt begleitet, und genauso arbeiten sie mit anderen Familien:
- Aufenthalt: befristete Karten für die ganze Familie und der rechtzeitige Wechsel zum unbefristeten Aufenthalt, siehe Aufenthaltsgenehmigung Paraguay. Den direkten Weg über eine Investition beschreibt die Seite Daueraufenthalt in Paraguay.
- Konten: ein Privatkonto bei einer paraguayischen Bank, siehe Privatkonto in Paraguay.
- Farm oder Haus: Prüfung von Titel, Kataster, Wald und Steuern, Begleitung vom Vorvertrag bis zur Eintragung, siehe Immobilien in Paraguay.
- Firma: Gründung der Gesellschaft und ein Geschäftskonto, siehe Firmengründung in Paraguay und Geschäftskonto in Paraguay.
- Steuern: ein Plan für den Ausstieg aus der deutschen Steuerpflicht und die Ansässigkeit in Paraguay, siehe Steuern in Paraguay.
- Pass: Vorbereitung auf Einbürgerung und Prüfung, siehe Staatsbürgerschaft Paraguay.
Die Kosten der Begleitung hängen von der Familie und dem gewählten Weg ab. Ein Berater berechnet sie im Chat.
Das Leben, für das sie auswandern
Ein Samstagabend Ende August 2026. Am Pferch blüht der Lapacho, und Stefan legt am gemauerten Grill das Fleisch für ein Asado auf, denn es gibt etwas zu feiern: Auf den Weiden stehen schon zwölf Kälber. Julia reicht Marie einen Teller, Ramón sitzt auf der Bank mit seinem Tereré, dem kalten Mate, ohne den in Paraguay kein Nachmittag vergeht. Marie erzählt ihm zum dritten Mal, dass Lapacho heute zum ersten Mal Gras gefressen hat. Über den Hügeln geht die Sonne unter, und über dem Grill gehen die Lichterketten an.

„Wir dachten lange, wir wandern wegen der Steuern aus oder wegen des Plans B“, sagt Stefan. „In Wahrheit wegen solcher Abende.“ Julia nickt: „Und weil Marie hier jeden Tag draußen ist und weiß, woher ihr Essen kommt.“
In gut zwei Jahren hat die Familie den größten Teil des Weges hinter sich gebracht: Aufenthalt, Konto, Farm, Firma, Herde und einen Plan für den Ausstieg aus der deutschen Steuerpflicht. Im Sommer 2027 folgt der letzte Schritt, der eigentliche Umzug. Bei jedem Schritt waren die Fachleute von Murblz an ihrer Seite. Ihre Familie schafft das genauso: Der Weg nach Paraguay besteht aus denselben Schritten, und für jeden gibt es eine Frist, eine Liste von Unterlagen und einen Menschen, der dafür verantwortlich ist. Erzählen Sie einem Berater von Murblz, wer auswandert und wovon Sie träumen, ob von einer Farm, einem Haus in der Stadt oder einem ruhigen Leben auf dem Land. Er sieht sich Ihren Fall an und plant den Umzug Schritt für Schritt. Die erste Beratung ist kostenlos. Unseren Umzug nach Paraguay planen
Häufige Fragen
Können Deutsche in Paraguay Land kaufen?
Was kostet ein Hektar Weideland in Paraguay?
Wie viele Rinder passen auf 92 Hektar?
Welche Steuern zahlt eine Rinderfarm in Paraguay?
Wann endet die Steuerpflicht in Deutschland beim Auswandern nach Paraguay?
Wie lange dauert es bis zum paraguayischen Pass?
Verliert man die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn man Paraguayer wird?
Wie lernen deutsche Kinder in Paraguay?
Wie groß ist der Zeitunterschied zwischen Deutschland und Paraguay?
Sie möchten das nicht allein klären?
Wir begleiten den gesamten Prozess von Anfang bis Ende: wir prüfen Ihre Unterlagen, wählen ein Programm für Ihre Situation und nennen ehrliche Fristen und Kosten. Stellen Sie Ihre Frage im Chat – die kostenlose Beratung beginnt gleich hier. Die rechtliche Vertretung vor Behörden und Gerichten übernehmen Murblz-Spezialisten gemeinsam mit lokal zugelassenen Partnern.
Der Murblz-Berater antwortet sofort im Chat auf dieser Seite. Schildern Sie Ihre Situation, wir klären sie gemeinsam.
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